Unsere Entwicklung

1989 begann ich mich mit der Ausbildung von Hunden intensiv zu beschäftigen. Ich machte die Ausbildung als Hundetrainer beim DVG (Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine), die mir jedoch inhaltlich zu gering war.

Da ich mich schon vorher sehr mit Uni. Prof. Samy Molcho, einem Pantomimen und einem der ersten international anerkannten Spezialisten für nonverbale Kommunikation über Körpersprache, beschäftigte, schulte ich mich auf das Sehen von Körpersignalen. Nach Samy Molchos Untersuchungen werden 80% unserer Reaktionen und Entscheidungen durch Körpersprachen, wie Mimik, Gestik, Körperbewegungen und vor allem durch Microexpressionen ausgelöst. Microexpressionen sind kleinste unbewusste Körpersignale.

 

”Was wir sind, sind wir durch unseren Körper. Der Körper ist der Handschuh der Seele, seine Sprache das Wort des Herzens. Jede innere Bewegung, Gefühle, Emotionen, Wünsche drücken sich durch unseren Körper aus.”, Zitat em. o. Univ. Prof. Samy Molcho.

Ich beobachtete, dass die meisten Hundebesitzer versuchten, mit verschiedensten aversive Trainingsformen den Hund funktionell zu machen: der Hund wurde angebrüllt, es wurde an der Leine gerissen und wenn das nicht half, legte man ein Stachelhalsband um, was als noch human eingestuft wurde. Der Hund sollte Kadavergehorsam zeigen.

Andere versuchten mit „Leckerchen“ ihren Hund zu motivieren, Kommandos zu befolgen. Der Hund sollte immer noch bedingungslos gehorsam sein und „Sitz“, „Platz“, „Fuß“ sowie „Hier“ können, weil er es bei einer Prüfung absolvieren sollte. Es wurde weder auf die Besonderheiten unterschiedlicher Hunderassen eingegangen, noch auf ihre Eigenschaften, Bedürfnisse und ihre Kommunikation. Alle wurden gleich behandelt, weder Mensch, noch Hund wurden als Individuen gesehen.

Oft wird leider auch heute noch so gearbeitet, viel geändert hat sich da in manchen Hundeschulen bis heute nichts. Bellt der Hund am Zaun, wird ihm mit der Sprühflasche Wasser in Gesicht gespritzt. Geht er nicht vernünftig an der Leine, bekommt er einen Kick mit der Ferse in die Flanke, damit er aufpasst. So wird es im Fernsehen einem großen Publikum dargeboten. 

Ich fing an, mich mit dem Verhalten von Wölfen und Haushunde auseinanderzusetzen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Wölfe oder Hunde aggressiv die Rangordnung klären, wie es uns immer wieder erklärt wurde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Caniden das Risiko eingehen, verletzt zu werden und somit ihr eigenes und das Leben der Rudelmitglieder zu gefährden. Ich traf mich mit Wissenschaftler wie Eberhart Trumler, Erik Ziemem und besuchte – und besuche bis heute – verschiedene wissenschaftliche Foren, um mehr neues Wissen zu bekommen. Auch Gespräche mit Wissenschaftler wie Adam Miklósi, Jozsef Tópal, Friederike Range, Zsófia Viranye, Annika Bremhorst, Sabrina Karl, Stefanie Riemer und viele mehr, inspirieren mich bis heute weiter in meinem Denken und Tun.

Ich beobachtet, dass Gehegewölfe, die nicht kognitiv beschäftigt werden, in Stresssituationen  Aggressionen zeigten. Dies war mir logisch, denn Jungtiere konnten nicht abwandern, was in freier Wildbahn geht. Auch kommt bei gemeinsamen Tätigkeiten weniger Frust und mehr Erfolgserlebnisse auf, was auch eine Beziehung stärkt. Auch waren ranghohe Tier meistens ruhig, souverän. Sie wurden durch ihr Wissen, ihre Souveränität und ihr selbstbewusstes Auftreten freiwillig von Ihrem Rudel als Autorität anerkannt. Das gleiche konnte ich bei Hunden beobachten die auf der Straße lebten oder zu mehreren bei Menschen in einem Rudel. Auch konnte ich viele vergleichende Beobachtungen im Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn (Österreich) machen, bei dem ich auch die Unterschiede der Verhaltensweisen beider Spezies erkennen lernen durfte.

Mir wurde bewusst, dass wir Menschen lernen müssen, unseren Hund zu leiten in einer für ihn verständlichen Kommunikation, über eine klare souveräne Führung ohne Aggression und der Motivation auf Kooperation. Wir Menschen können über eine klare Führung dem Hund verständliche Strukturen in unserer Beziehung geben, ihm somit Sicherheit vermitteln und ihm negativen Stress nehmen. Über sein Instinktverhalten und seinen Intellekt können wir seine Bedürfnisse befriedigen, was die Bindung zu uns stärkt.

Aus meinen oben beschriebenen Beobachtungen und Erkenntnissen heraus entstand die Erziehungsphilosophie „I-L-e“ ®. Eine Erziehungsphilosophie, die auf eine Beziehung zwischen Mensch und Hund orientiert ist. Eine Philosophie die darauf basiert, dem Menschen Wissen über Hunde und im speziellen seinen eigenen Hund zu vermitteln, so dass der Mensch Missverständnisse zwischen Mensch und Hund vorbeugen und auf die Bedürfnisse seines Hundes eingehen kann. So wird der Mensch für den Hund ein Sozialpartner und der Hund einer für den Menschen.  

Die Entwicklung von I-L-e ® darf nicht auf den heutigen Stand der Wissenschaft stehen bleiben. Wir müssen uns weiter entwickeln, um so Mensch und Hund optimal begleiten zu können. Ich freue mich auf jeden Tag, an dem wir alle mehr Wissen und Erkenntnisse bekomme, im Sinne für den Menschen und seinem Hund.